„Mein Partner hat sich das Leben genommen. Ich weine um ihn. Ich bin wütend auf ihn. Manches mal hasse ich ihn für das, was er getan hat. Dafür schäme ich mich. Ich vermisse ihn so. Und nachts, wenn ich nicht schlafen kann, frage ich mich, ob ich es verhindern hätte können. Und ob ich schuld daran bin, dass es geschehen ist.“
Das ist einer der schwersten Verluste, die es überhaupt gibt.
Und alles, was Du geschrieben hast, hat seine Berechtigung. Alles das, darf da sein.
Da sind so viele Fragen, die keine Antwort finden. Warum? Hätte ich es sehen können? Hätte ich etwas tun können? Habe ich nicht genug getan?
Diese Fragen kreisen unaufhörlich. Dein Verstand sucht verzweifelt nach Sinn, wo keiner zu finden ist.
Und du bleibst zurück – in einem Zwischenraum, in einem Niemandsland aus Schmerz und Ungewissheit.
Gefühle, die niemand erwartet.
Bei einem Verlust durch Suizid kommen zu den normalen Gefühlen der Trauer noch einige andere, starke Gefühle hinzu, die sich falsch anfühlen – obwohl sie zutiefst menschlich sind.
Schuld.
Dieses Gefühl ist fast immer da. Hätte ich es verhindern können? Was habe ich falsch gemacht? Besonders wenn es kurz vor dem Suizid einen Konflikt gab, können diese Gedanken zur Qual werden. Kinder, die einen Elternteil durch Suizid verloren haben, können sich sogar für den Tod verantwortlich fühlen, wenn sie zuvor wütende Gedanken hatten. Gedanken, die jedes Kind hat, und die mit dem Tod nichts zu tun hatten.
Wut.
Du fühlst Wut – auf den Menschen, der gestorben ist. Das fühlt sich falsch an – aber es ist eine der ehrlichsten Reaktionen die ist in dieser Situation gibt. Ein Suizid kann sich wie eine Zurückweisung anfühlen. Wie ein „Nein“ zu einem gemeinsamen Leben. Und Du denkst vielleicht: Ich habe ihr oder ihm nicht genug bedeutet. Diese Wut ist real und sie darf da sein. Lasse sie zu.
Scham.
In vielen Familien und sozialen Umfeldern ist Suizid immer noch ein Tabuthema. Viele Hinterbliebene schämen sich für den Verstorbenen, dafür dass jemand aus ihrer Familie ein solche „Sünde“ begangen hat. Du weißt vielleicht nicht, wie Du auf die Frage: „Wie ist er gestorben?“ antworten sollst. Manche Familien schaffen einen stillen Konsens, die Wahrheit zu umgehen – sie stellen den Tod als Unfall dar oder meiden das Thema generell. Das schützt kurzfristig. Aber es verhindert auch, dass die Trauerarbeit wirklich beginnen kann. Was nicht benannt wird, kann nicht verarbeitet werden.
Angst.
Besonders Menschen, die einen Elternteil durch Suizid verloren haben, kennen diese stille, bedrückende Frage: Bin ich auch so? Ist das in mir? Werde ich mich auch eines Tages umbringen? Diese Angst ist verständlich und nachvollziehbar – und sie braucht einen Ort, an dem sie ausgesprochen werden darf – ohne dass sie sich sofort in eine Diagnose verwandelt.
Wenn Du gerade selbst nicht mehr weiter weißt.
Wenn Du diese Zeilen liest und gerade selbst an einem Punkt stehst, an dem sich Dein Leben als nicht mehr lebbar anfühlt, dann ist das ein wichtiges Signal.
Du brauchst jetzt rasch professionelle Hilfe und Begleitung, die über eine Trauerbegleitung hinausgeht.
In Österreich erreichst Du die Telefonseelsorge unter der Nummer 142.
Kostenlos, anonym, rund um die Uhr. Dort warten Menschen auf Deinen Anruf, die für Krisensituationen ausgebildet sind und Dir umgehend die passende Unterstützung zukommen lassen.
Was in der Trauer nach Suizid hilft.
Weil Trauer nach Suizid so viele verschiedene Schichten hat, braucht sie einen Raum, in dem alle diese Schichten sein dürfen. Nicht nur die „erlaubten“ Gefühle – die Traurigkeit, das Vermissen, die Leere – sondern auch die Wut, die Scham, die Schuld und die Angst.
Sprich aus, was Dich bewegt. Kein Satz ist hier falsch. Kein Gefühl muss poliert oder zurechtgerückt werden. Bevor irgendetwas verarbeitet werden kann, muss es erst einmal ausgesprochen werden. Nimm Dir den Raum. Nimm Dir Zeit. Und lasse alles da sein – auch wenn es so schmerzhaft ist.
Wenn es Dir leichter fällt zu schreiben, dann nimm ein Notizbuch, ein Tagebuch, ein Blatt Papier. Und schreibe alles auf. Deine Gefühle. Deine Gedanken. All die quälenden Fragen auf die Du keine Antwort findest. Schreibe sie auf, damit Du sie aus Deinem Kopf in Deine Hand und auf Papier bringen kannst. Auch das kann Dir Erleichterung bringen.
Rituale können helfen, wenn die Zeit reif dafür ist. Ein Brief an den Verstorbenen. Ein Gedenkort, der dem Verstorbenen einen Platz gibt. Eine Schatzkiste mit schönen Erinnerungen, die Du an einem besonderen Ort aufbewahrst.
Das Erleben von Gemeinschaft mit Menschen, die Ähnliches erlebt haben – wie beispielsweise in einer Selbsthilfegruppe oder Trauergruppe für Hinterbliebene nach Suizid – kann die Isolation durchbrechen, die das Stigma dieses Verlustes hinterlässt. Zu wissen, dass andere die selben „verbotenen“ Gefühle haben, ist manchmal das Erste, das wirklich erleichtert.
Dein Körper trägt, was Deine Seele noch nicht aussprechen kann. Das Eingefroren-Sein. Die Enge in der Brust. Die Erschöpfung. Die Schlaflosigkeit. All das sind Deine körperlichen Reaktionen auf ein Ereignis, dass zu schwer, zu schmerzhaft war, um es zu begreifen. Hier können die sanften Berührungen der Biodynamischen Craniosacral-Therapie einen sanftenZugang öffnen.
Dein nächster Schritt.
Die Trauer nach einem Suizid ist überwältigend und herausfordernd – sie ist zu viel für einen Menschen allein.
Hole Dir Unterstützung. Nimm Hilfe in Anspruch. Du brauchst diesen Schmerz nicht alleine zu tragen.
Wenn Du spürst, dass meine Begleitung für Dich stimmig ist, melde Dich gerne bei mir.