„Vor sechs Wochen habe ich mein Baby in der 17. Schwangerschaftswoche verloren. Ich fühle mich wie in einem Nebel – und gleichzeitig sagt mir mein Umfeld, dass ich nach vorne schauen soll, weil es ja noch so früh war. Meine KollegInnen gehen mir aus dem Weg und ich verstehe nicht, warum. Ich habe so viele Fragen und weiß nicht, wo ich anfangen soll.“
Dein Schmerz braucht Raum – unabhängig wie lange er zurückliegt oder ob andere ihn verstehen.
Der Verlust Deines ungeborenen Kindes ist eine sehr einsame Trauer, weil er so oft kleingeredet wird. Dabei ist die Bindung an Dein Kind von Anfang an da, lange bevor es zur Welt kommt.
Die vielen Fragen die Du hast, brauchen Antworten.
Ich habe hier einige Fragen, die mir trauernde Menschen am häufigsten stellen – vielleicht sind sie ein erster Orientierungspunkt für Dich.
Wann geht Trauer vorbei?
Trauer geht nicht vorbei, sie wandelt sich. Wie bei einer Wunde, bei die verschiedene Stadien der Heilung durchläuft bis eine Narbe zurückbleibt.
Genauso bleibt auch der Verlust, den Du durchlebt hast, als Teil Deiner Lebensgeschichte präsent. Das gilt für den Tod eines geliebten Menschen genauso wie für den Verlust eines ungeborenen Kindes, das Ende einer Beziehung oder den Verlust von Heimat und Zugehörigkeit.
Auch später, wenn Dein Verlust schon Jahre zurückliegt, gibt es Momente, in denen Du Dich erneut mit Deiner Trauer auseinander setzen musst – ein Datum, ein Geruch, ein Lied.
Weil Trauer etwas ist, dass lebendig ist und in Dir weiter lebt.
Wie trauere ich richtig?
In der Trauer gibt es kein Richtig und kein Falsch.
Wie Du Deinen Verlust verarbeitest hängt von ganz vielen verschiedenen Faktoren ab: Von Deiner Geschichte, Deiner Kultur, Deiner Religion, Deiner Spiritualität und Deinen Ressourcen. Was Dir gerade gut tut und wozu Dein Herz Dich ruft – das ich Dein Weg.
Vertraue auf Dein Gefühl. Und wenn Du nicht weißt, was Dir gut tut, weil Du gerade zu ausgelaugt und erschöpft bist, um das zu spüren – dann ist das auch eine Antwort. Dann brauchst Du Ruhe und Erholung – oder jemanden, der einfach da ist für Dich.
Warum verstehen die anderen nicht, was mit mir los ist?
Wenn jemand noch keinen großen Verlust erlebt hat, fällt es ihm oder ihr vielleicht tatsächlich schwer, sich in Deine Lage zu versetzen.
Oft steckt aber noch etwas anderes dahinter: Die meisten Menschen fühlen sich hilflos in der Gegenwart von Menschen, denen es gerade sehr schlecht geht. Sie wissen nicht, was sie tun oder sagen sollen oder haben Angst das Falsche zu tun.
Es kann auch sein, dass sie das Thema meiden, weil sie selbst unverarbeitet Verluste in sich tragen und diese alten Wunden durch Deinen Verlust für sie spürbar werden. Dann kann es sein, dass sie Dich dazu drängen mit Deiner Trauer endlich weiter zu kommen. Sie meinen, Du sollst nach vorne schauen oder sagen Dir, dass Du ja schon bald wieder schwanger werden kannst.
All das verstärkt Dein Gefühl der Einsamkeit und Dein Gefühl im Stich gelassen zu sein.
Eine Trauergruppe oder individuelle Trauerbegleitung bietet Dir einen Raum, in dem Du frei über alles sprechen und Verständnis und Trost finden kannst. Dies entlastet auch Dein Umfeld und eine Annäherung ist wieder leichter möglich.
Ich habe das Gefühl, meine Freunde und KollegInnen meiden mich. Warum?
Weil der natürliche Umgang mit Tod und Trauer in unserer Gesellschaft weitgehend verloren gegangen ist.
In einer Zeit, die Jugend, Leistung und Unsterblichkeit feiert, hat der Tod und die damit verbundene Trauer keinen selbstverständlichen Platz – obwohl sie jeden von uns eines Tages betrifft.
Wie schon in der Antwort zuvor erwähnt, ziehen sich viele Menschen zurück, weil sie Angst haben, das Falsche zu sagen. Oder weil sie Trauer nur in bestimmten Formen akzeptieren – und alles, was länger dauert oder tiefer geht, sie überfordert. Das macht es ihnen schwer, einfühlsam mit Trauernden umzugehen und sie liebevoll zu unterstützen.
Das sagt nichts über Deinen Wert und nichts über Deine Trauer. Es sagt etwas über unsere Kultur. Auch hier findest Du Unterstützung und Trost in einer Gruppe von Gleichgesinnten.
Alle sagen mir, ich soll loslassen – dabei will ich das doch gar nicht.
Du musst nicht loslassen.
Das moderne Trauerverständnis spricht nicht mehr vom Loslassen, sondern von der liebevollen Neugestaltung der Beziehung zum Verstorbenen. Es geht darum, einen Weg zu finden, wie Du diesen Menschen – Dein Kind – weiter lieben und trotz des Verlustes ein erfülltes Leben führen kannst.
Denn die Verbindung bleibt. Sie verändert nur ihre Form. Du behältst das, was war, in Deinem Herzen – und öffnest Dich gleichzeitig langsam für das, was noch kommt.
Dein nächster Schritt.
Trauer kann überwältigend und überfordernd sein.
Vor allem wenn Du noch nie einen so tiefen Schmerz erfahren hast und noch ganz am Anfang Deines Trauerweges stehst. Da ist es ganz natürlich, dass Du nicht weißt, wo Du anfangen sollst.
Wenn Du möchtest, finden wir es gemeinsam heraus.
Melde Dich gerne für ein erstes Gespräch.