„Ich trauere um meinen Bruder. Und ich merke, dass mein Mann und meine Kinder irgendwie nicht genau wissen, wie sie mit mir umgehen sollen. Mir fällt es auch total schwer zu sagen, was ich gerade brauche. Weil ich es manchmal selbst gar nicht weiß. Und wenn, fehlen mir die Worte. Ich hab auch manchmal Angst, sie damit zu überfordern. Kannst Du mir weiterhelfen?“
Das, was Du beschreibst, erleben viele Trauernde.
Dein Schmerz nimmt Dich gerade gefangen. Deine Gefühle sind chaotisch und es ist schwer für Dich, einen klaren Gedanken zu fassen. Und weil Du so viel und manchmal auch gar nichts fühlst, ist es auch wirklich schwer zu sagen, was Du jetzt brauchst oder was Dir wirklich gut tut.
Manchmal weißt Du es, aber findest nicht die richtigen Worte. Oder traust es Dich nicht zu sagen, weil Du andere nicht überfordern willst. Vielleicht ist auch manchmal die Angst vor Zurückweisung oder Ablehnung da.
Was hier helfen kann, ist eine Wunschliste.
Unterstützung in der Trauer: Was Du jetzt von anderen brauchst.
Du findest nachstehend ausformulierte Bedürfnisse mit konkreten Bitten, die Du direkt übernehmen kannst.
Einfach da sein.
Setze Dich zu mir. Du musst nichts sagen. Deine Anwesenheit ist genug.
Konkrete Bitte: „Kannst Du einfach eine Weile bei mir sein – ohne dass wir reden müssen?“
Zuhören.
Lasse mich erzählen – von ihm (von ihr), von dem, was war. Du musst nichts erwidern. Nichts dazu sagen. Nur zuhören.
Konkrete Bitte: „Ich möchte Dir von ihm erzählen. Du musst nichts sagen – ich brauche nur jemanden, der zuhört.“
Meine Tränen aushalten.
Ich möchte weinen und dabei nicht alleine sein. Du musst meinen Tränen nicht wegwischen, mit nicht aufmuntern. Sag mir nicht, das alles wieder gut wird. Ich brauche keinen Trost. Sei einfach nur da.
Konkrete Bitte: „Wenn ich weine – bitte halte das einfach aus. Bleib einfach da bis keine Tränen mehr kommen.“
Körperliche Nähe.
Eine Umarmung. Eine Hand auf meiner Schulter. Das gibt mir Halt, Geborgenheit, Sicherheit. Ich kann spüren, dass jemand da ist. Dass ich nicht alleine bin.
Konkrete Bitte: „Darf ich Dich einfach kurz umarmen?“ Oder: „Kannst Du mich bitte in den Arm nehmen?“
Praktische Hilfe.
Einkaufen. Kochen. Einen Brief schreiben oder ein Formular ausfüllen. Beerdigungsvorbereitungen oder Formalitäten erledigen. Mich begleiten, wenn ich zu einem schwierigen Termin muss. Das gibt mir Halt und das Gefühl, dass ich es schaffen kann.
Konkrete Bitte: „Könntest Du diese Woche einmal für mich einkaufen?“ Oder: „Könntest Du mich bitte zum Bestatter begleiten?“
Gemeinsame Zeit.
Ein Spaziergang. Ein Kaffee. Ein stiller Moment zusammen. Du musst mich nicht aufheitern. Deine Nähe erinnert mich daran, dass ich nicht alleine bin. Und dass das Leben weitergeht.
Konkrete Bitte: „Ich brauche gerade Gesellschaft – hast Du morgen Zeit für mich?“ Oder: „Ich brauche frische Luft – begleite mich bitte auf einen Spaziergang.“
Gemeinsame Erinnerungen.
Erlebnisse mit dem Verstorbenen. Momente, die wir geteilt haben. Geschichten, die ich noch gar nicht kenne. Auch wenn es weg tut, tut es gut – mehr als Du vielleicht denkst.
Konkrete Bitte: „Erzähl mir bitte von ihm. Ich möchte, dass er nicht vergessen wird.“
Ein Ritual oder einen Gedenkort gestalten.
Ein kleiner Platz, an dem ich mich erinnern darf. Ein Foto. Eine Kerze. Ein Brief. Oder ein kleines Ritual, das mir Halt gibt.
Konkrete Bitte: „Würdest Du mir helfen, einen Gedenkort zu gestalten? Das gibt mir Halt und einen Anker in meinem Alltag.“
Sanft erinnern.
Ich vergesse oft, auf mich zu achten – zu essen, zu trinken, genug zu schlafen, mich zu bewegen. Ein sanfter Anstoß hilft mir, auf mich zu schauen. Und zeigt mir, dass ich gesehen werde.
Konkrete Bitte: „Schicke mir bitte jeden Tag eine kurze Nachricht. Damit ich spüren kann dass Du an mich denkst und Dich um mich sorgst.“
Geduld.
Ich brauche Zeit. Und mein eigenes Tempo. Ich habe Mühe damit, zu funktionieren. Ich weiß nicht, wann es mir wieder besser geht. Deine Geduld ist eines der größten Geschenke, die Du mir machen kannst.
Konkrete Bitte: „Ich brauche noch Zeit. Es ist mir wichtig, dass Du das weißt – und dass Du mir diese Zeit gibst.
Wie Du diese Liste nutzen kannst.
Lies sie durch und markiere, was Dich anspricht – auf dem Bildschirm, ausgedruckt oder in Deinem Tagebuch. Dann überlege: Wer aus Deinem Umfeld könnte Dir das geben?
Oft reicht schon ein einfacher Satz: „Es würde mir helfen, wenn Du mich manchmal einfach anrufst.“ Oder: „Wir müssen nicht reden, ich brauche einfach nur dass Du da bist und meine Hand hältst.“
Wenn Du diese Liste mit Deinem Mann oder Deinen Kindern teilst, gibst Du ihnen etwas Konkretes in die Hand. Das macht es für alle leichter – für Dich und für sie.
Dein nächster Schritt.
Nimm Dir heute fünf Minuten.
Lies die Liste durch und nimm Dir einen Punkt, der sich für Dich jetzt stimmig anfühlt. Und dann teile Deine Bitte mit Deiner Familie oder Deinen Freunden.
Wenn Du merkst, dass Dir das schwerfällt – oder wenn Du gerade niemanden hast, dem Du die Liste geben könntest, melde Dich gerne bei mir.