Was Sterbende bedauern

„Werde ich etwas bereuen?“ – Was Sterbende bedauern.

„Mein Vater ist vor kurzen gestorben. In seinen letzten Tagen hat er mir gesagt, wie sehr er es bereut, nicht mehr Zeit mit uns verbracht zu haben und nicht öfter Ja zu seinem Herzen gesagt zu haben. Das hat mich tief getroffen. Jetzt frage ich mich ständig: Was werde ich am Ende meines Lebens selbst einmal bereuen? Und ist es schon zu spät, um etwas zu ändern?“

Deine Frage ist sehr berührend. Und sie stellt sich oft genau dann, wenn Du jemanden begleitet hast, der am Ende seines Lebens zurückblickt.

Niemand bereut auf seinem Sterbebett zu wenig gearbeitet zu haben. Niemand wünscht sich, öfter den sicheren Weg gegangen zu sein. Was uns am Ende unseres Lebens schmerzlich zu Bewusstsein kommt, sind die Momente, die wir nicht gewagt haben, die Chancen die wir nicht genutzt haben – die Worte, die wir heruntergeschluckt haben, die Menschen, die wir nicht angerufen haben.

Die australische Palliativpflegerin Bronnie Ware hat jahrelang Gespräche mit Menschen auf dem Sterbebett geführt. Immer wieder hörte sie dieselben fünf Dinge, die Sterbende bedauern.

1 – Ich wünschte, ich hätte den Mut gehabt, mein eigenes Leben zu leben – und nicht das, was andere von mir erwartet haben.

Grace hatte große Träume. Doch sie tut Jahrzehnte lang das, was von ihr erwartet wird. Sie heiratet, bekommt Kinder und opfert sich für das gemeinsame Leben auf. Ihre Ehe war ein Gefängnis für Sie. Als ihr Mann schließlich in ein Pflegeheim kommt, dachte Grace jetzt endlich ein neues Leben beginnen zu können. Doch nur ein paar Monate später wird Grace todkrank.

In ihren letzten Tagen ringt sie Bronnie ein Versprechen ab: „Lass Dich niemals von jemandem von dem abbringen, was Du wirklich willst.“ Bronnie gibt ihr dieses Versprechen. Wenige Tage später stirbt Grace.

Es ist nie zu spät, Dich Dir selbst und Deinem Leben, Deinen Träumen und Wünschen zuzuwenden. Du musst nicht gleich alles umwerfen. Aber schon eine ehrliche Frage an Dich selbst – „Was wäre, wenn ich heute ein Stück mehr von dem leben würde, was mir wirklich wichtig ist?“ – kann den Anfang machen. Dein Leben gehört Dir. Und Du darfst es so leben wie es Dich glücklich macht – auch wenn es andere irritiert.

2 – Ich wünschte, ich hätte nicht so viel gearbeitet.

John hatte beruflich alles erreicht. Und über fünfzehn Jahre wartete seine Frau Margaret darauf, dass ihr Mann endlich in Pension geht. Als er nach vielen Streitereien endlich einwilligt, beginnt sie die vielen Reisen zu planen, die sie immer machen wollten. Doch Margret wird krank und stirbt.

Als Bronnie John später pflegt sagte er: „Natürlich habe ich meine Arbeit geliebt. Aber wofür? Das wirklich Wichtige – meine geliebte Margaret – habe ich aus den Augen verloren.“

Beruflicher Erfolg verliert seinen Glanz, wenn er auf Kosten von Beziehungen, Gesundheit oder Lebensfreude geht. All das kannst Du Dir nicht für später aufheben. Dein Körper, Deine Seele, die Menschen in Deinem Leben brauchen Dich jetzt. Was Du heute bewusst schützt und pflegst – ein gemeinsames Abendessen, ein Spaziergang, ein ehrliches Gespräch – tu das, was Deine Seele nährt, und die Deiner liebsten Menschen.

3 – Ich wünschte, ich hätte den Mut gehabt, meine Gefühle auszudrücken.

Jozsef ist Holocaust-Überlebender. Er hatte überlebt, was die meisten nicht überlebt hatten. Nach dem Krieg zieht er mit seiner Frau nach Australien. Aber seine tiefsten Gefühle hatte er nie gezeigt – nicht seiner Frau, nicht seinen Kindern.

Kurz vor seinem Tod realisiert er, was das bedeutet: „Ich hätte mir gewünscht, dass meine Familie mich wirklich gekannt hätte“, sagte er zu Bronnie.

Wenn Du Ärger, Liebe, Sehnsucht hinunter schluckst – um den Frieden zu wahren, um nicht zu belasten, um stark zu wirken – fühlst Du Dich am Ende unverstanden, obwohl Du anderen nie wirklich die Chance gegeben hast, Dich verstehen zu können. Authentisch zu sein macht verletzlich – ja. Aber es verbindet auch. Mit den Menschen, die Du liebst. Du darfst Dich zumuten. Genau so, wie Du bist – mit allem, was in Dir ist.

4 – Ich wünschte, ich hätte den Kontakt zu meinen Freunden aufrechterhalten.

Doris hatte einst enge Freundschaften. Und ein wunderbar enges und liebevolles Verhältnis zu ihrer Tochter. Dann kam das Leben dazwischen – Arbeit, Familie, Umzüge, Erschöpfung. Irgendwann war der Kontakt einfach eingeschlafen.

Auf dem Sterbebett sagte sie: „Ich dachte, diese Nähe wird immer bleiben.“ Sie vermisste plötzlich die Menschen, mit denen sie früher gelacht und geweint hatte. Ihr fehlten nicht die großen Dinge – sondern die kleinen Abende, die langen Gespräche, das Gefühl, wirklich gesehen zu werden.

Freundschaften und Beziehungen enden nicht durch Streit. Die Liebe stirbt Durch Distanz und Schweigen. Ein kurzer Anruf, eine Nachricht oder ein „Ich habe an Dich gedacht“ kann eine Verbindung wieder lebendig machen, die Du längst verloren geglaubt hast. Es ist selten zu spät, den ersten Schritt zu tun.

5 – Ich wünschte, ich hätte mir erlaubt, glücklicher zu sein.

Rosemary hatte beruflich alles erreicht, was sie sich erhofft hatte. Aber das Scheitern ihrer Ehe hatte sie nie überwunden – als Beweis, dass sie nicht gut genug war, dass etwas mit ihr nicht stimmte. Als Bronnie sie zum ersten Mal traf, war sie eine alte, verbitterte Frau, die in ihren alten Mustern und dem Komfort ihrer Gewohnheiten feststeckte.

Als Bronnie zu ihr sagt: „Wir haben die Freiheit zu wählen“, versteht Rosemary plötzlich, dass sie diese Freiheit tatsächlich immer gehabt hatte. Das Unglück in ihrem Leben, war keine Strafe gewesen. Es war ihre eigene Entscheidung, die sie jeden Tag aufs Neue getroffen hatte, ohne es zu merken.

Glück ist keine Belohnung, die erst kommt, wenn alles perfekt ist. Es ist eine Entscheidung, die Du auch mitten im Unvollkommenen treffen darfst. Du kannst aufhören, gegen das anzukämpfen, was gerade ist – und trotzdem erkennen, dass Dein Leben gut sein darf. Trotz allem. Auch heute.

Fragen zum Innehalten und Nachspüren.

Diese Fragen laden Dich ein, nach innen zu lauschen. Was bewegt sich in Dir, wenn Du sie liest?

  • Was in Dir weiß schon lange, welches Leben Du eigentlich führen möchtest – auch wenn Du es noch nicht laut ausgesprochen hast?
  • Welche Gefühle hältst Du gerade zurück – und was bräuchte es in Dir, damit sie einen sicheren Raum bekommen?
  • Wen hast Du aus den Augen verloren, und was fühlst Du, wenn Du an diese Person denkst?
  • Welche alte Geschichte über Dich selbst trägst Du noch mit Dir – und wie fühlt es sich an, wenn Du Dir erlaubst, dass sie vielleicht nicht (mehr) wahr ist?
  • Was würde sich in Dir weiten oder lösen, wenn Du Dir heute ein kleines Stück mehr Glück erlauben würdest – ganz ohne Bedingung?
  • Welches der fünf Bedauern berührt Dich im Moment am stärksten – und wo genau spürst Du das in Deinem Körper?

Ein Moment für Dich.

Nimm Dir einen ruhigen Moment und ein Blatt Papier.

Schreib die fünf Sätze der Sterbenden langsam auf:

„Ich wünschte, ich hätte den Mut gehabt, mein eigenes Leben zu leben.“
„Ich wünschte, ich hätte nicht so viel gearbeitet.“
„Ich wünschte, ich hätte den Mut gehabt, meine Gefühle auszudrücken.“
„Ich wünschte, ich hätte den Kontakt zu meinen Freunden aufrechterhalten.“
„Ich wünschte, ich hätte mir erlaubt, glücklicher zu sein.“

Lies sie danach noch einmal leise.

Spüre, welcher Satz am stärksten in Dir nachhallt.

Lege die Hand auf die Stelle in Deinem Körper, die darauf reagiert.

Dann schreib darunter nur einen einzigen ehrlichen Satz, der mit den Worten beginnt: „In meinem Leben gerade bedeutet das…“

Lasse das, was Du geschrieben hast, auf Dich wirken.

Dein nächster Schritt.

Die fünf Bedauern sind kein Vorwurf. Sie sind ein Spiegel – und eine Einladung.

Du musst nicht alles auf einmal verändern. Ein kleiner, mutiger Schritt heute kann verhindern, dass Du später dasselbe bedauerst wie Dein Vater – oder die Menschen, die Bronnie Ware begleitet hat.

Du kannst jetzt schon anders wählen – mutiger, herzlicher, freier.

Wenn Du Dir auf diesem Weg Begleitung wünscht – melde Dich gerne bei mir.

Von Herzen,

„Werde ich etwas bereuen?“ – Was Sterbende bedauern.

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