„Ich trauere um meinen Vater. Ich schlafe seit Wochen schlecht und bin tagsüber kaum beim mir. Eine Freundin hat mir gesagt, dass ihr ätherische Öle geholfen haben. Helfen sie wirklich und wenn ja, welche Öle gibt es und wie werden sie angewendet?“
Ja, ätherische Öle können tatsächlich helfen.
Nicht als Ersatz für Trauerbegleitung, Therapie oder medizinische Versorgung. Aber als eine sanfte, direkte Unterstützung für Körper, Geist und Seele – genau dort, wo Trauer sitzt.
Warum Düfte so tief wirken.
Dein Geruchssinn ist der einzige Deiner Sinne, der direkt mit dem Limbischen System verbunden ist – jenem Teil in Deinem Gehirn, der Emotionen und Erinnerungen verarbeitet und einen erheblichen Einfluss auf Dein Nervensystem hat.
Ein Duft braucht nur Sekunden, um dort anzukommen.
Das bedeutet: noch bevor Dein Verstand anfängt zu denken, hat ein Duft bereits Dein Nervensystem erreicht. Er kann Deinen Atem vertiefen, die Enge in Deiner Brust lösen und für einen Moment die Schwere der Trauer etwas leichter machen.
Vielleicht kennst Du das schon – ein Duft, der plötzlich eine Erinnerung aufsteigen lässt. Der Geruch eines alten Pullovers. Ein Parfüm. Frisch gemähtes Gras. Düfte öffnen Türen, die Worte nicht öffnen können.
Öle, die Dich in der Trauer begleiten können.
Trauer kennt viele Gesichter und Phasen. Manchmal brauchst Du Ruhe, manchmal Halt, manchmal ein wenig mehr Leichtigkeit. Hier eine kleine Auswahl an Ölen, die sich in der Trauerarbeit als besonders hilfreich erwiesen haben.
Wenn Deine Nerven blank liegen und Dir alles zu viel wird.
Cistus wirkt stark beruhigend und hilft dem Nervensystem, wieder zur Ruhe zu kommen. Lavendel ist der Klassiker bei Unruhe, seelischem Schmerz und Schlaflosigkeit – ein paar Tropfen auf dem Kopfkissen können den Übergang in den Schlaf erleichtern, besonders in Kombination mit Vanille.
Wenn Du den Boden unter den Füßen verlierst.
Zedernholz erdet und gibt Stabilität. Weihrauch zentriert – er beruhigt überwältigende Gedanken und erinnert Dich in Zeiten des Übergangs sanft an das, was größer ist als Dein Schmerz.
Wenn Du Trost brauchst oder Dein Herz öffnen möchtest.
Rose hilft, angestaute Gefühle zu lösen – sie ist der Duft des Herzens. Ylang Ylang hilft besonders, wenn Wut oder Selbstzweifel da sind: er harmonisiert und stärkt das Selbstvertrauen.
Wenn Du Dich nach Leichtigkeit sehnst.
Bergamotte hebt die Stimmung bei Schwere und Stimmungsschwankungen. Neroli führt Dich zurück ins Hier und Jetzt und schenkt Dir den Mut, den gegenwärtigen Moment anzunehmen – ohne ihn zu bewerten. Orange belebt ohne zu überfordern und hilft Dir besonders morgens, wenn Dein Körper müde ist und Dein Geist noch schwer.
Alphabetische Liste hilfreicher Öle in der Trauer – mit detaillierten Beschreibungen. (Klicken zum Aufklappen)
Bergamotte.
Bergamotte hat einen besonderen Wert in der Trauerverarbeitung, da es Angstzustände beseitigen und die eigene Stimmung heben kann. In der Naturheilkunde gilt die Bergamotte als Lichtbringer in dunklen Zeiten, weshalb sie erfolgreich bei Stimmungsschwankungen und Überforderung angewendet wird.
Cistus.
Sprichwörtlich liegen die Nerven im Trauerprozess blank. Reizbarkeit, Überforderung, Nervosität und Abgeschlagenheit sind typische Merkmale, mit denen sich Trauernde konfrontiert erlebt. Cistus ist ein Öl, das insbesondere beruhigend auf die Nerven wirken und so seine wohltuende Wirkung entfalten kann. Körper, Geist und Seele dürfen dann ausruhen, was wieder mehr Ordnung und Struktur im eigenen System ermöglicht. Konkret bedeutet dies, dass du dich wieder besser fokussieren kannst auf Tätigkeiten und das Gefühl einer ständigen Überforderung nachlässt.
Lavendel.
Lavendel ist eine besondere Pflanze, ein wahrer Meister der Harmonisierung, um Unruhe, seelischen Schmerz, Schlaflosigkeit und Depression zu lindern. Lavendel unterstützt und hilft auch bei Konzentrationsstörungen – das Inhalieren von Lavendelöl regt die Aktivität unseres Gehirns positiv an und wirkt so fördernd auf unsere kognitiven Fähigkeiten. Auf diese Art und Weise ist es leichter, Fantasie, Kreativität und einen eigenen Ausdruck wiederzufinden.
Lemongrass.
Lemongrass hat eine klärende und reinigende Wirkung. Es unterstützt auch die Reinigung unseres Verdauungssystems, wirkt antimykotisch (gegen Erkrankungen, die durch Pilze hervorgerufen wurden) und antibakteriell. Im Trauerprozess kann es hilfreich, erleichternd sein zur Klärung der nicht zur Ruhe kommenden Gedanken. Lemongrass wirkt hier als liebevoller Gesprächspartner, der deine wirren Gedanken ordnen kann und sie beschwichtigt.
Mandarine.
Oftmals haben Trauernde wenig Geduld mit sich selbst und beurteilen sich sehr streng. Heilung geht oft viel zu langsam, das Verständnis für das eigene Sein und Leben ist gering, und die Bereitschaft, das durch die Trauer bedingte eigene Anderssein als Möglichkeit einer neuen Ausrichtung zu akzeptieren, ist kaum vorhanden. Die eigene Trauer zu verarbeiten soll möglichst schnell und wenig schmerzhaft vor sich gehen. Gerade in diesen destruktiven Phasen kann das Mandarinenöl sehr unterstützen, denn es fördert das eigene Verständnis für sich selbst, indem es besänftigt und dazu hilft, milde mit sich selbst zu sein. Das eigene „System“ kommt zur Ruhe, was es möglich macht, geduldiger mit der Situation umzugehen, so dass auch wieder Freude empfunden und das eigene Anderssein mehr und mehr akzeptiert werden können.
Neroli.
In der Trauer ist der Fokus sehr oft auf die Vergangenheit gerichtet, auf das, was war und nun nicht mehr ist. Die bewusste Beschäftigung mit dem Jetzt ist für Trauernde einer der schwersten Schritte, denn es bedeutet zugleich, zu akzeptieren und anzunehmen, dass das Jetzt die Wirklichkeit ist und es kein Zurück mehr gibt. Neroli kann diesen Schritt sehr unterstützen und fördern, indem es auf- richtend, stärkend und stabilisierend auf die eigenen Emotionen wirkt und so Mut schenken kann. Bei tiefer Hoffnungslosigkeit beflügelt es und schenkt Frieden, was zur Folge hat, dass sich Ängste allmählich auflösen.
Orange.
Orangenöl erweckt mit seinem süßlich-aromatischen Duft die Sinne und bringt den müden Geist und Körper wieder in Schwung. Es ist ein wahrer Energielieferant, der die eigene Leistungsfähigkeit wieder zu erhöhen vermag – gerade in Momenten schwerer Kraft- und Antriebslosigkeit. In dieser Wirkungsweise steigert es auch die eigene Immunabwehr, da es den Geist erhebt, dadurch die körperliche Entspannung unterstützt und so Krankheitserreger abwehren kann. Auch hier liegt eine Kausalität vor: Wenn der Geist zur Ruhe kommt und wir wieder Kraft schöpfen können, sind wir weniger anfällig für Krankheiten.
Rose.
Rose ist eines der wertvollsten und hochfrequenzstärksten Öle, die es überhaupt gibt. Die Essenz des Rosenöls hält, was der berauschende Duft verspricht: Es öffnet das Herz, hebt die eigene Stimmung, harmonisiert, was aus dem Gleichgewicht gekommen ist, und verhilft so, angestaute Gefühle in Fluss zu bringen. Das äußert sich beispielsweise darin, dass Tränen der Erlösung fließen können. Es ist ein Balsam für das verwundete Herz und legt eine Art Schutzmantel über die Verletzung. Ein Öl, das in der Trauerverarbeitung eine wichtige Unterstützung sein kann.
Vanille.
Geborgenheit, Schutz, Halt, Sicherheit sind Gefühle, nach denen sich ein Trauernder sehnt. Das Vanillearoma aktiviert Rezeptoren (Zellen, die Reize auf- und annehmen) im Gehirn, in denen die Erinnerung an diese wertvollen Gefühle abgespeichert sind. Vanille-Öl kann einen liebevollen Schutzmantel um dich legen, der es dir ermöglicht, das Gefühl des Ausgeliefertseins und dem daraus resultierenden körperlichen wie psychischen Stress zu mildern. Die Stimmung hebt sich, was depressive Stimmungen mildern bzw. ihnen vorbeugen kann.
Weihrauch.
Das Harz des Weihrauch-Baums steht für das Blut des Lebens in dem Sinne, dass es eine Wunde schützt, versiegelt und heilt. Das Öl Weihrauch hilft uns zu heilen. Es führt uns näher zu unserer Spiritualität und hilft uns, unsere Wahrheit zu erkennen. Es unterstützt uns dabei uns von geistiger Finsternis und mentaler Täuschung zu befreien, in dem es die Fähigkeit fördert, das Licht in uns selbst zu sehen und uns an unsere Talente und unser Potenzial zu erinnern. Ermöglicht es besser durch zirkulierende und überwältigende Gedanken zu navigieren, die uns daran hindern Wachstum und Stabilität wieder herzustellen. Hilft beunruhigende Gedanken und Gefühle zu verarbeiten. Es erinnert uns daran, dass wir geliebt und nicht vergessen sind.
Ylang Ylang.
Trauer ist oft mit innerer Aggression und Wut verbunden über die Situation, die nicht änderbar ist. Es ist eine Wut auf das Schicksal, das vermeintlich ungerecht zu sein scheint. Diese Wut richtet sich leider gegen uns selbst, denn die negativen Emotionen können zu Unruhe und Unausgeglichenheit führen. Unsere linke und rechte Gehirnhälfte geraten aus ihrem wichtigen Gleichgewicht, was zu einer Art Anstauung der negativen Emotionen führen kann. Die Folgen sind vielfältig, eine der beeinträchtigendsten Effekte ist wohl die Festigung eines geringen Selbstwertes. Ylang-Ylang-Öl hat hier eine immense Kraft. Es vermag die eigene Selbstachtung zu erhöhen, indem es die harmonische Abstimmung des Zusammenwirkens beider Gehirnhälften fördert, und so negative Energien in inneren Frieden und Selbstvertrauen verwandelt.
Zedernholz.
Wie alle anderen holzartigen ätherischen Öle, gibt uns Zedernholz die Kraft der Bäume – wie sie über lange Jahre unter all den verschiedenen Bedingungen und Stürmen des Lebens weiter wachsen. Das Öl Zedernholz verbessert und erleichtert die Fähigkeit, (wieder) aufrecht zu stehen und den Stürmen des Lebens zu trotzen. Hilft dunkle, unsichere und emotionale Ereignisse zu ertragen, indem es erdet und die Kraft schenkt, vorwärts zu gehen ohne in der Verzweiflung zu versinken. Es öffnet unser Herz, damit wir die Liebe und die Unterstützung anderer fühlen können.
Zimt.
Das ätherische Öl der Zimtrinde erinnert auch an seine Herkunft in dem Sinne, dass die Rinde den Baum schützt. Die Verwendung dieses Öls hilft uns, uns zu schützen und vor Unsicherheit zu bewahren, während wir durch unseren Alltag navigieren und unsere Emotionen im Inneren verarbeiten. Sein wärmender Duft ist durchdringend und beruhigend zugleich. Dieses Öl ist am nützlichsten, wenn wir nach einem Verlust schnell in die reale Welt zurückkehren müssen.
Zitrone.
Zitronenöl erinnert uns an Leichtigkeit, Lebensfreude und Lebendigkeit. Sein Duft hat eine sehr erhellende Wirkung auf positive Erinnerungen der Vergangenheit. Diese Anknüpfung an positive Erinnerungen ist gerade im Trauerprozess unsagbar kostbar; denn dann kann es unterstützen, die Gedächtnisleistung wieder zu erhöhen und Ängste zu mildern. Das heißt: In der Rückbesinnung an Zeiten, in denen das Leben leicht, glücklich und schön war, kann unser Geist sich ein Stück weit von momentaner Schwere befreien und positive Lebenskonzepte aktivieren. Es ist vergleichbar mit einem Programm, das wieder aufgerufen wird. Die Wirkungen sind aus diesen Erklärungen klar ablesbar: Zitronenöl vermag Hoffnung und Trost zu schenken in einer Rückbesinnung auf Zeiten, in denen du ein leichteres Leben geführt hast.
Ein Moment für Dich – vor dem Schlafengehen.
Gib zwei Tropfen Lavendel auf ein Tuch und lege es neben Dein Kopfkissen.
Schließe die Augen. Stell Dir vor, Du stehst in einem weiten Lavendelfeld. Die Luft ist warm und still. Die Blüten gleiten sanft durch Deine Finger.
Atme tief ein – und wieder aus.
Du musst nichts lösen. Du darfst einfach nur da sein und atmen.
Diese Visualisierung hilft Deinem Nervensystem, sich zu entspannen und ein Gefühl von innerer Sicherheit zu finden – auch dann, wenn der Schlaf sich noch schwer anfühlt.
Dein nächster Schritt.
Manchmal ist der erste kleine Schritt ganz einfach: Eine Flasche öffnen. Einatmen. Spüren.
Nicht um die Trauer wegzumachen – sondern um Deinem Körper zu signalisieren: Ich bin noch hier. Ich kümmere mich um mich.
Das ist kein kleiner Schritt. Das ist Selbstfürsorge in einem Moment, in dem sie sich vielleicht am schwersten anfühlt.
Wenn Du spürst, dass Du Begleitung auf Deinem Trauerweg möchtest – melde Dich gerne bei mir.