Trauer Erste Hilfe

„Ich bin total überfordert. Was kann ich jetzt tun?“ – Erste Hilfe in der Trauer.

„Ich habe erst vor ein paar Tagen meinen Vater verloren. Mein Mann und meine Kinder sind zwar da für mich, aber ich stehe völlig neben mir und brauche dringend Unterstützung. Außerdem geht es ihnen ja auch nicht gut, auch sie haben den Schwiegervater und Großvater verloren. Ich schaffe es auch gerade nicht für sie da zu sein, obwohl ich das eigentlich müsste. Wohin kann ich mich wenden oder was kann ich jetzt tun? Ich bin total überfordert und weiß nicht weiter.“

Ich fühle mit Dir. Dass ist ein großer Verlust, den Du gerade durchlebst. Ein tiefer Schmerz, den Du zu bewältigen hast.

Und es ist ganz normal, dass Du überfordert bist und gerade nicht weißt, was Du tun sollst. Vor allem, weil Du auch für Deine Familie da sein willst und merkst, dass es gerade nicht wirklich geht.

Lass mich Dir hier ein paar Tipps und Hilfestellungen an die Hand geben, wie Du diese erste schwierige Zeit gut überstehen kannst.

Was Dir jetzt sofort helfen kann.

Wenn Dich der Schmerz gerade überwältigt, wirken diese einfachen Techniken direkt auf Dein Nervensystem. Du brauchst dafür nichts außer Dir selbst.

Atme bewusst.

Setze Dich hin und lege eine Hand auf Deinen Bauch. Atme vier Sekunden durch die Nase ein, halte Deinen Atem vier Sekunden an, atme sechs Sekunden durch den Mund aus. Das beruhigt Dein Nervensystem am schnellsten. Du kannst auch auf „F“ oder „S“ ausatmen. Das erhöht den Atemwiderstand beim Ausatmen und beruhigt noch tiefer.

Trinke Wasser.

Hole Dir ein Glas kaltes Wasser und trinke es ganz bewusst. Langsam. Schluck für Schuck. Schlucken ist ein Signal das Deinem Körper ebenfalls signalisiert: Du bist in Sicherheit.

Lege Dich auf den Boden.

Auf den Rücken, Arme neben Deinem Körper. Schließe Deine Augen. Und atme in Deinen Bauch. Spüre, dass Dich der Boden trägt. Besonders, wenn Du Panik, Angst oder Orientierungslosigkeit fühlst hat das eine stark erdende und auch beruhigende Wirkung.

Nimm Dich selbst in den Arm.

Umarme Dich selbst und drücke Dich sanft. Körperkontakt – auch mit Dir selbst – gibt Deinem Nervensystem das Signal: Ich bin sicher. Wenn Du willst, sprich es laut aus: „Ich bin sicher. Ich bin größer als mein Schmerz.“

Bewege Dich.

Gehe ein paar Schritte oder mache sanfte Dehnübungen, um Deine starke körperliche Anspannung zu lösen. Strecke Deine Arme seitlich nach hinten und atme tief in Deinen Brustkorb. Das Unterstützt die Verarbeitung Deiner Emotionen auf körperlicher Ebene. Bewege Dich zu einer sanften Entspannungsmusik. Auch ein Spaziergang an der frischen Luft hilft.

Rufe jemanden an.

Um eine vertraute Stimme zu hören. Um einfach zu spüren, da ist jemand – wenn es auch am anderen Ende der Leitung ist. Auch das gibt Dir das Gefühl von Geborgenheit und das Du in Deinem Schmerz nicht alleine bist.

Nimm ein warmes Bad oder eine warme Dusche.

Warmes Wasser entspannt den Körper auf eine Art, die wir oft unterschätzen. Ein Fußbad mit einem Esslöffel Meersalz und ein bis zwei Tropfen Lavendelöl oder Vanille – besonders am Abend – hat eine wohltuende, entspannende und beruhigende Wirkung.

Gib Deinen Gedanken und Gefühlen Raum.

Nimm Dir ein Notizbuch oder einen Zettel zur Hand und schreibe Deine Gedanken und Gefühle auf. Die Überforderung, den Schmerz, die Hilflosigkeit. Lass alles aus Dir herausfließen – ohne Anspruch auf Richtigkeit oder Nachvollziehbarkeit. Gib dem, was gerade in Dir ist, Raum. Auch das lindert oft den inneren Druck.

Unterstützung aus der Natur.

Ergänzend kannst Du Dir pflanzliche Mittel zur Beruhigung in Deiner Apotheke besorgen. Bachblüten Rescue Tropfen haben sich in der Trauerkrise schon vielfach bewährt.

Erste Hilfe – Offizielle Notrufnummern.

Wenn sich Dein Zustand verschlechtert oder sich Dein Krisenzustand zuspitzt zögere nicht bei den nachstehenden Nummern anzurufen.

Dort warten Menschen auf Dich, die genau für die Begleitung von Menschen in deiner Situation ausgebildet sind. Rufe lieber einmal zu oft an als einmal zu wenig.

Telefonseelsorge | Notruf 142
Telefon-, E-Mail- und Chatberatung für Krisen. Täglich, 0–24 Uhr.
www.telefonseelsorge.at

Sozialpsychiatrischer Notdienst (PSD) | +43 1 31330
Psychiatrische Soforthilfe. Täglich, 0–24 Uhr.
www.psd-wien.at

Frauenhelpline | 0800 222 555
Unterstützung für Frauen in Akutsituationen. Täglich, 0–24 Uhr.
www.frauenhelpline.at

Männernotruf | 0800 246 247
Hilfe für Männer in Krisen. Täglich, 0–24 Uhr.
www.maennernotruf.at

Rat auf Draht | Notruf 147
Beratung für Kinder, Jugendliche und deren Bezugspersonen. Täglich, 0–24 Uhr.
www.rataufdraht.at

Offenes Ohr – Helpline | +43 820 890101
Psychosoziale Beratung (20 Cent/Min.). Täglich, 8:00–22:00 Uhr.
www.oevlsb.at/helpline-offenes-ohr

BÖP Helpline | +43 1 5048000
Psychologische Beratung. Täglich, 9:00–20:00 Uhr.
www.boep.or.at/psychologische-behandlung/helpline

Ö3 Rotes Kreuz Kummernummer | Notruf 116123
Kostenlose, anonyme Hilfe. Täglich, 16:00–24:00 Uhr.
www.roteskreuz.at

Kriseninterventionszentrum Wien | +43 1 406 95 95
Psychosoziale Krisenberatung. Mo–Fr, 8:00–17:00 Uhr.
www.kriseninterventionszentrum.at

NDÖ Notfallpsychologischer Dienst | +43 699 18855400
Akutintervention. Mo–Fr, 9:00–17:00 Uhr.
www.notfallpsychologie.at

Wie Du jetzt für Deine Familie da sein kannst.

Du musst jetzt nicht stark sein. Sondern einfach nur da sein.

Wenn Du sagst: „Ich schaffe es gerade nicht, Euch Trost zu spenden und so für Euch da zu sein wie sonst – aber ich liebe Euch. Und gemeinsam schaffen wir das“ dann ist das mehr Halt als alles andere, das Du jetzt tun könntest.

Du darfst Deine Trauer und auch Deine Überforderung zeigen. Deinen Schmerz und auch dein Bemühen darum, mit Deinen Gefühlen zurecht zukommen. Wenn Du Dich Deinen Kindern so zeigst, machst Du ihnen in Wahrheit ein großes Geschenk.

Du zeigst ihnen nicht nur, wie man mit einem so großen Schmerz umgehen kann, sondern Du gibst ihnen auch gleichzeitig die Erlaubnis, ihre eigenen Gefühle frei und offen auszudrücken.

Und das ist das, was Deine Kinder jetzt brauchen.

Dein nächster Schritt.

Wenn Du merkst, dass Du weiterhin überfordert bist und dass sich Dein Zustand nicht bessert, dann bitte kontaktiere jederzeit die Nothilfe-Nummern die in diesem Artikel aufgelistet sind.

Wenn Du das Gefühl hast, dass Du Dich ein wenig stabilisiert hat, und Trauerbegleitung in Anspruch nehmen möchtest, dann melde Dich gerne bei mir.

Du kannst mir jederzeit eine Nachricht über WhatsApp schreiben – ich antworte meist innerhalb von 24 Stunden.

Von Herzen,

„Ich bin total überfordert. Was kann ich jetzt tun?“ – Erste Hilfe in der Trauer.

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