„Kurz vor Weihnachten ist mein Großvater gestorben. Sein Tod hat mich so krass damit konfrontiert, dass das Leben voll ausgekostet gehört und ich merke wie so vieles in meinem Alltag irgendwie nicht mehr richtig passt. Wie finde ich heraus, was mich wirklich erfüllt – und wie kann ich anfangen das ins Leben zu integrieren, ohne alles umzuschmeißen? Ich glaube ich vertrage nämlich gerade keine weiteren tiefen Umbrüche, weil ich noch trauere und sich eh schon alles so anders anfühlt.“
Ein Verlust erschüttert das Leben oft sehr tief – und bringt Dich dazu, mit neuen Augen auf Dein Leben zu schauen.
Du fühlst nicht nur Schmerz – sondern auch eine plötzliche, fast unangenehme Klarheit über Dich und Dein Leben. Als hätte jemand das Licht aufgedreht in einem Zimmer, das Du schon lange nicht mehr betreten hast.
Und auf einmal siehst Du: Hier passt etwas nicht mehr. Und dort auch nicht. Und da schon lange nicht mehr.
Das ist kein Zeichen dafür, dass etwas in Deinem Leben falsch läuft. Es ist ein Zeichen dafür, dass Du wacher geworden bist. Bewusster. Und dieses Bewusstsein ist ein Geschenk – auch wenn es sich gerade nicht so anfühlt.
Was in uns aufbricht, wenn jemand geht.
Wenn jemand stirbt, der Dir nahe steht, berührt das eine tiefere Schicht in Dir.
In der Seelenarbeit nennen wir das einen Schwellenmoment – einen Augenblick, wo der Schleier zwischen dem, was wir leben, und dem, was wir eigentlich leben wollen, dünner wird.
Der Tod Deines Großvaters hat diese Türe geöffnet und Deinen Blick für das Wesentliche im Leben geschärft. Und jetzt stehst Du vor diesem Raum, der zuvor verschlossen war.
Was Du gerade spürst – dieses „Es passt nicht mehr!“ – ist aber keine Aufforderung, alles sofort zu verändern. Es ist vielmehr eine Einladung hinzuschauen. Zu fühlen. Und ganz sachte zu fragen: Was will hier gesehen werden?
Und zu Deiner Sorge noch etwas Wichtiges: Du musst jetzt nichts umschmeißen. Es zu erkennen, zu sehen, zu fühlen bedeutet nicht, es sofort ändern zu müssen. Der erste Schritt ist immer nur wahrnehmen – nicht handeln.
Das Leben gibt Dir diese Klarheit, nicht damit Du in Panik gerätst und unüberlegt in etwas Neues springst, sondern damit Du anfängst Dir selbst ehrlicher zuzuhören.
Fragen zum Innehalten und Nachspüren.
Diese Fragen laden Dich ein, nach innen zu lauschen.
Nimm Dir einen ruhigen Moment – und spüre einfach nach, was sie in Dir bewegen.
- In welchem Bereich Deines Lebens weißt Du schon länger, dass etwas nicht mehr stimmt, aber Du hast es bisher zur Seite geschoben oder ignoriert?
- Was würdest Du öfter tun, wenn niemand zuschauen würde und Du keine Erwartungen erfüllen müsstest?
- Wenn Dein Großvater Dir jetzt einen Wunsch mitgeben könnte für Dein Leben – was glaubst Du wäre das?
Ein Moment für Dich.
Nimm jeden Abend dieser Woche – bevor Du schlafen gehst – einen Stift und schreib einen einzigen Satz:
Heute hat mich berührt…
Nicht, was Du an diesem Tag getan hast. Nicht, was Du erreicht hast. Was Dich berührt hat. Ein Gespräch. Ein Moment. Ein Gefühl. Ein Mensch.
Nach sieben Tagen lies Dir alle Sätze durch. Was Du dort findest, ist ein erster Hinweis darauf, wonach sich Deine Seele sehnt und was Dich wirklich erfüllt.
Dein nächster Schritt.
Deine Trauer und Deine neue Klarheit dürfen nebeneinander existieren.
Du musst nicht erst „fertig trauern“ bevor Du hinspüren darfst, was Dich wirklich erfüllt. Beides gehört zu diesem Schwellenmoment dazu.
Du musst jetzt nichts Großes verändern. Manchmal reicht es, ehrlich hinzuschauen – und jemanden an Deiner Seite zu haben, der mit Dir hält, was dabei auftaucht.
Wenn Du spürst, dass Du genau dafür Begleitung brauchst, melde Dich gerne bei mir.